Arbeitsweise

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Foto: Luis Lle­rena / unsplash.com, Mon­tage: KK

Pflichtenheft?

Es soll Pro­gram­mie­rer geben, die erst anfan­gen, ihre Blei­stifte zu spit­zen, wenn ihnen ein Pflich­ten­heft vor­ge­legt wird. Damit zie­hen sie sich für meh­rere Wochen oder Monate zurück und prä­sen­tie­ren anschlie­ßend das Ergebnis.

Das ist nicht meine Art. Ich halte die Pro­gram­mie­rung nach Pflich­ten­heft in den mei­sten Fäl­len nicht für sinn­voll. Das Erstel­len eines Pflich­ten­hef­tes (das die­sen Namen ver­dient), ist sehr zeit­auf­wän­dig – und damit teuer. Der Auf­trag­ge­ber weiß zwar, mit wel­chen Daten das Pro­gramm gefüt­tert wird und was am Ende her­aus­kom­men soll. Um aber zu defi­nie­ren, auf wel­chem Weg das Pro­gramm die­ses Ziel erreicht und was der Anwen­der dazu tun soll, müsste der Auf­trag­ge­ber SEHR gut wis­sen, wel­che Mög­lich­kei­ten File­Maker in der aktu­el­len Ver­sion bie­tet. Schon oft haben mir Kun­den detail­liert vor­ge­ge­ben, wie ich diese oder jene Funk­tion in der Daten­bank umset­zen sollte. Ich habe das oft viel ein­fa­cher und anwen­der­freund­li­cher lösen kön­nen – weil ich FileMaker-Funktionen und Pro­gram­mier­tech­ni­ken kenne, die den Auf­trag­ge­bern unbe­kannt sind. (Es han­delt sich ja in der Regel nicht um IT-Spezialisten.)

Ich arbeite nicht gern „im stil­len Käm­mer­lein“, son­dern in enger Zusam­men­ar­beit mit dem Auf­trag­ge­ber. Er bekommt wäh­rend der Ent­wick­lung immer wie­der Ver­sio­nen der Daten­bank geschickt, um schon früh die Funk­tio­nen testen zu kön­nen: Sind die Fel­der und Tasten in den Lay­outs sinn­voll und über­sicht­lich ange­ord­net? Kön­nen die Arbeits­schritte für die Anwen­der noch ein­fa­cher und siche­rer gestal­tet wer­den? Fin­den die Anwen­der alles, was sie für die täg­li­che Arbeit brau­chen? Feh­len noch Fel­der, Listen, Aus­wer­tun­gen? Das sind alles Dinge, die nur am lau­fen­den System geprüft wer­den kön­nen – nicht beim Erstel­len eines Pflichtenheftes.

Und fast aus­nahms­los stelle ich fest, dass der Appe­tit beim Pro­gram­mie­ren kommt: Wenn der Auf­trag­ge­ber sieht, wie ele­gant und anwen­der­freund­lich mit dem aktu­el­len File­Maker Pro pro­gram­miert wer­den kann, dann fällt ihm schnell ein, was die Daten­bank sonst noch alles machen soll…

Diese Arbeits­weise setzt aber vor­aus, dass ich immer kurz­fri­stig jeman­den errei­chen kann, der mir Fra­gen beant­wor­ten kann, der Gele­gen­heit hat, die Test­ver­sio­nen aus­zu­pro­bie­ren, und der ent­schei­den darf, in wel­che Rich­tung die Ent­wick­lung wei­ter­ge­hen soll. Wenn ich mit mei­nen Fra­gen und Vor­schlä­gen alleine bleibe, muss die Pro­gram­mie­rung ruhen. No input – no output.

Es ist tat­säch­lich so: Eine indi­vi­du­elle Daten­bank wird nicht allein vom Pro­gram­mie­rer ent­wickelt, son­dern immer auch vom Auf­trag­ge­ber. Jeden­falls dann, wenn er eine maß­ge­schnei­derte Lösung bekom­men will.

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Foto: Vol­kan Olmez / unsplash.com, Mon­tage: KK